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Gipfelsturm mit 74    Der Extremsportler Hubert Schwarz bereitet regelmäßig Aktive der „Generation 60+“ darauf vor, den höchsten Berg Afrikas zu besteigen.

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Rosen züchten, auf Teneriffa überwintern, mit den Enkeln spielen: Die Dauerfreizeit im Rentenalter lässt sich bunt gestalten. Ronald Jütting indes hält vom gewöhnlichen Seniorendasein wenig. Er gibt auf seine alten Tage richtig Gas, strebt sogar einen neuen Weltrekord an.
Phoenix im US-Bundesstaat Arizona, 17. April 2004. Über dem Firebird Raceway flimmert die Mittagshitze. Ronald Jütting streift seinen feuerfesten Overall über, räkelt sich ins Cockpit, spricht mit seiner Mannschaft letztmalig die Bedienung durch: die Schaltung, die Not-Rückholung des Gaspedals, den Auslöser des Bremsfallschirms.
Alles muss sitzen. Denn Zeit zum Überlegen wird der 66Jährige nicht haben, wenn die Startampel umspringt. Tempo 100 liegt bereits nach 1,6 Sekunden an, rund fünf Sekunden später - bei Zieltempo 360 km/h - ist die Viertelmeile (402 Meter) geschafft. Rein rechnerisch zumindest.
Graue Theorie im roten Staub der Mohave-Wüste.
Denn "Spirit of Westphalia", der New Beetle mit bescheidenen 1100 PS, ist eine Woche zu spät fertig geworden und noch nicht einen Meter gerollt. Keine Erfahrungen mit der brutalen Leistung und dem tückischen Fahrverhalten. Nicht einmal eine Sitzprobe hat bisher stattgefunden. Klar, dass es heute keinen neuen Weltrekord geben wird.
Zumal Ronald Jütting noch nie bei einem Dragster-Wettbewerb in den USA angetreten ist und deshalb erst mal seine Rennlizenz erwerben muss: den Kommissaren ei­nen Notausstieg vorführen, acht Probeläufe mit minimalem Vollgasanteil fahren. "Einer zum Sehen", seufzt der Ahlener: "Mehr ist auf dieser Veranstaltung nicht drin."
Einer zum Sehen - das scheint den Tausendschaffen amerikanischer Käfer-Fans beim 30. Bug-O-Rama-Festival schon zu reichen. Begeistert nehmen sie den verrückten Renn-Opi aus Good Old Germany auf. Einer aus der Heimat ihrer Kultmobile, der den Lokalmatadoren im Mutterland der Beschleunigungsrennen eine Lektion erteilen will? Auf solche Helden stehen die Jungs.
In Deutschland hingegen ist Jütting alles andere als ein Nobody: Zwischen 1969 und 74 war er vier Mal Deutscher Rallyecross-Meister, seit 1973 ist er mit Dragster-Käfern am Start. Jetzt ist der Viertelmeilen-Weltrekord in der Klasse der Funny Cars mit VW-mäßiger Maschine fällig. Den hält seit Oktober 2001 Ken Fisher aus Tampa, Florida 7,27 Sekunden, Spitzentempo 291 km/h. "Home of the World's fastest Bug" (Heimat des schnellsten Käfers der Welt) nennt er seinen Buggy Zubehörladen. "Nicht mehr lange", lacht Ronald Jütting.
Äußerlich erinnert seine Roadster-Rakete an einen New Beetle. Doch unter dem dünnen, im VW-Klimawindkanal optimierten Plastikhemd steckt ein filigraner Rohrrahmen mit Mittelmotor - ein luftgekühlter Vierzylinder-Boxer ä la Ur-Käfer. Das sieht das Reglement vor. Alles andere ist ungebunden: drei Liter Hubraum, riesiger Turbo, Methanol im Tank, dazu eine Lachgaseinspritzung.
Standing Ovations begleiten die ersten Burnouts zum Aufheizen der Reifen, dann schießt das wilde Mobil los. Nach 150 Metern lupft Ronald Jütting das Gaspedal, rollt aus und zündet im Ziel den Fall­schirm. Die Anzeigetafel zeigt 8,67 Sekunden und einen finalen Speed von 146,8 Meilen 236 Stundenkilometer bei einer Kaffeefahrt" - Jütting ist zufrieden. Das Potenzial sei­nes Super-Käfers steht fest. Mehr Gas, raunt der drahtige Altmeister, hätte eh die Spannung zerstört: "Wäre doch blöd, wenn Rekordhalter Fisher derart gedemütigt wird dass er in Sacramento gar nicht erst antritt." Dort, am 29 Mai, will Ronald Jütting jedenfalls Ernst machen. Um bei den Nitrolympi'X am Hockenheimring (20. bis 22 August) als frisch gebackener Weltrekordhalter aufzulaufen.

 

Technische Daten:
Luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor mit zentraler Nockenwelle
Turbolader - zwei Ventile pro Zylinder
Hubraum 2986 cm3
Leistung (voller Ladedruck) ca. 1100 kW (1500 PS) bei 9800/min
Heckantrieb
Zweigangschaltung mit Drehmomentwandler
Keramik-Bremsscheiben rundum
Gitterrohrrahmen aus Titanstahl
Länge/Breite/Höhe 4430/ 1560/1060 mm
Gewicht (fahr­fertig) 578 kg
0-100 km/h ca. 1,6 s
0-200 km/h ca. 4,4 s
Höchstgeschwindigkeit ca. 390 km/h
Herstellungskosten rund 200 000 Euro

23. April 2004 - Nr. 17 AUTO BILD W. Blaube (Copyright bei AUTO BILD)
 

 

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 “Zuletzt geändert am Sonntag, 31. Juli 2011”

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