Immer mehr ältere Menschen wollen sich nicht zur „Ruhe setzen“ sondern „richtig loslegen“. Wollen nach den Herausforderungen im Beruf in einen neuen Bereich unter Beweis stellen, dass sie noch längst nicht zum „alten Eisen“ gehören. Der Extremsportler Hubert Schwarz bereitet regelmäßig Aktive der „Generation 60+“ darauf vor

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Gipfelsturm mit 74    Der Extremsportler Hubert Schwarz bereitet regelmäßig Aktive der „Generation 60+“ darauf vor, den höchsten Berg Afrikas zu besteigen.

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Vermögensplanung für Senioren wird immer wichtiger - Festhalten am Eigenheim kann finanziellen Handlungsspielraum einengen

von Daniel Eckert

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran. Udo Jürgens hat in seinem Schlager bereits vorweggenommen, was in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer mehr Rentner leben werden: Der vermeintliche Ruhestand wird zu einem Unruhestand, in dem sich Senioren ihre Träume erfüllen und zahlreiche Aktivitäten pflegen, für die sie während des Berufslebens keine Zeit hatten. Für die Geldanlage und den Umgang mit Vermögen im Alter bedeutet dieser gesellschaftliche Wandel dramatische Veränderungen. "Wegen der stetig steigenden Lebenserwartung, aber auch aufgrund der steigenden Ansprüche an den Lebenswandel im Alter wird eine strategische Vermögensplanung für Senioren immer wichtiger", sagt Reinhard Hellmuth, Anlageprofi bei der Vermögensverwaltung I.C.M. AG in Berlin.

Die beiden großen Antagonisten des Ruhestandsvermögens sind den Experten zufolge Liquidität (in Form von Tagesgeld, Spareinlagen und kurzlaufenden Anleihen) und Immobilienbesitz. Einerseits bieten eigener Grund und Boden ein Gefühl der Sicherheit. Anderseits kann das eigene Häuschen unter Umständen den Handlungsspielraum - auch den finanziellen - einschränken. Das Entscheidende, auf das im Alter geachtet werden muß, ist ein ausreichend großer Puffer an liquiden Mitteln, um für alle Eventualitäten (etwa einen längeren Krankenhausaufenthalt) gerüstet zu sein, aber auch um die erhöhten Ausgaben (etwa die lang ersehnte Weltreise) zu finanzieren. Durch die vielen Freizeitaktivitäten, welche die rüstigen Rentner von heute oft pflegen, erweist sich das Leben im Ruhestand für viele teurer als erwartet. "Im Alter zählt vor allem mobiles Vermögen, welches Erträge bringt, aber keine zusätzlichen Kosten verursacht", sagt Birger Lassen von Die Alten Hasen GmbH, einer Beratungsagentur für die Vermögensgestaltung älterer Menschen.

 

Die Wirklichkeit sieht jedoch oft anders aus. In drei Viertel aller Fälle bringt der Generation 60+ das vorhandene Vermögen nichts ein. "Gerade das abbezahlte Eigenheim ist ein Kostenverursacher erster Güte und zwingt häufig zu Einschränkungen", meint der Vermögensprofi. Ein Problem dabei ist, daß die eigenen vier Wände nach dem Auszug der Kinder oftmals zu groß geworden sind und daher - ökonomisch betrachtet - eine Verschwendung von Kapital darstellen.

"Der erste Schritt ist, sich nach Möglichkeit rechtzeitig vor Beginn des Rentenalters bewußt machen, was ich in meinen Jahren im Ruhestand anfangen will", sagt Winfried Walter, Vermögensverwalter bei Albrech & Cie. in Köln. Dann muß ich mir - unter Umständen mit Hilfe eines professionellen Investmentberaters - klar machen, ob mein Lebensentwurf mit der finanziellen Ausstattung im Einklang steht. So kann das Einfamilienhaus auf dem Land zum Beispiel finanziell kontraproduktiv sein, wenn man im Alter gern kulturellen Interessen in der Stadt nachgehen würde. "Viele sehen nicht, daß die Immobilie im Grünen unter anderem Rücklagen für Reparaturen und oft sogar ein zweites Auto notwendig macht", benennt Lassen ein Knackpunkt.

Zudem fielen beim "mietfreien Wohnen" Steuern und Versicherungen an, die von den Senioren häufig nicht ins Kalkül gezogen würden. Auf diese Weise - rechnet Lassen vor - könnten sich die tatsächlichen Wohnkosten bei einem Ehepaar in den 60ern (inklusive der versteckten Kosten) schnell auf 1500 Euro im Monat summieren - wohlgemerkt für das vermeintlich kostenlose Wohnen. Zugrunde gelegt hat er dabei für Steuer und Versicherung 350 Euro, für Instandhaltung und Pflege des Hauses 400 Euro, für zwei Autos 600 Euro und für Nebenkosten 250 Euro. Lassen macht deshalb eine andere Rechnung auf: Wird beim Verkauf des Hauses ein Nettoerlös von 200 000 Euro erzielt, kann dies bei "konservativer und gleichzeitig rentierlicher Anlage" eine Zusatzrente von 820 Euro monatlich generieren. Dann könnte sich das Ehepaar eine Komfortwohnung mit einer Monatsmiete von 1320 Euro plus 250 Euro Nebenkosten leisten, und hätte dennoch monatlich mehr Geld zur Verfügung.

Das Beispiel zeigt auch, daß die Psychologie oftmals dem effizienten Vermögensmanagement im Alter im Wege steht. "Eines der größten Hindernisse ist die Emotion. Man betrachtet sein Vermögen nicht als dienstbaren Geist, der einem helfen soll, sondern man will es zeigen", sagt Walter. Finanziell gesehen sei es jedoch sinnvoller, sich von vielem zu trennen, was entbehrlich ist.

"Sinnvoll ist, zunächst einmal zusammen mit einem kompetenten Finanzberater herauszufinden, welche finanziellen Erfordernisse im Alter auf einen zukommen und wie diese abgedeckt werden können", meint Bernd Schimmer von der Haspa. Der nächste Schritt ist dann eine intelligente Vermögensaufteilung (auch Allokation genannt), welche es erlaubt, daß das vorhandene Kapital nicht nur sicher angelegt ist, sondern auch noch Erträge abwirft. Hier dürfte ein nachdrücklicher Rat der Profis viele überraschen: "Ein ausgewogenes Portfolio kann in praktisch jeder Altersstufe Dividendenpapiere enthalten", sagt Hans-Jörg Naumer, Volkswirt bei der Investmentgesellschaft Dit. Der Finanzmarkt-Experte wendet sich damit gegen das weitverbreitete Klischee, daß die vermeintlich riskanten Aktien für Ältere nicht mehr als Geldanlageform geeignet seien. Aus Sicht von Naumer sprechen vor allem zwei Punkte für Aktienanteile auch im Alter: Zum einen erzielen Dividendenpapiere auf längere Sicht eine höhere Rendite als alle anderen Anlageklassen - Experten beziffern die Langfristrendite auf sieben bis acht Prozent jährlich, verglichen mit rund fünf Prozent bei Anleihen. Zum anderen tragen solide Aktien auch zur Diversifikation und Risikoreduzierung in einem Portfolio bei: Denn nicht nur Dividendenpapiere, auch Festverzinsliche, Immobilien, Rohstoffe und alle anderen Investments unterliegen Kursschwankungen. So schneidet ein Portfolio mit einem zehnprozentigen Aktienanteil besser ab als ein Depot, welches zu 100 Prozent mit den vermeintlich sicheren Anleihen bestückt ist. Umgekehrt zeigt eine Simulation, daß die Gefahr, mit einem 20- bis 25prozentigen Aktienanteil auf fünf Jahre einen Kursverlust zu erleiden bei lediglich einem Prozent liegt.

Gesehen auf: http://www.welt.de/data/2006/03/13/859082.html

 

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 “Zuletzt geändert am Sonntag, 31. Juli 2011”

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