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Wer vorsorgt, arbeitet länger

Demografieforscher vergleichen Sozialsysteme in acht europäischen Ländern

Von Simone Meyer

Berlin - Wer früh Geld für den Ruhestand zurücklegt, arbeitet zudem meist länger - und ist später finanziell vergleichsweise gut gestellt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Zwischen Generationenvertrag und Eigenvorsorge", die das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) gestern in Berlin vorstellte. Axel Börsch-Supan und Christina Wilke vom Forschungsinstitut Ökonomie und Demografischer Wandel vergleichen darin das Bemühen acht europäischer Sozialstaaten, der Tatsache zu begegnen, dass in 25 Jahren ungefähr zwei Erwerbstätige für einen Rentner aufkommen müssen.

"Die Länder müssen die Balance halten zwischen der starken Babyboom-Generation, die etwa ab 2010 in Rente geht, und der schrumpfenden Generation ihrer Kinder, die diese Rente finanzieren soll", sagte Börsch-Supan. Er liest an der Studie ab, dass sowohl die betriebliche als auch die private Altersvorsorge an Bedeutung gewinnen werde. Besonders in skandinavischen Ländern, die schon vor einigen Jahren angefangen haben, den heute etwa 50-Jährigen mehr Verantwortung zu übertragen, hätten Rentner heute mehr Geld zur Verfügung als in den eher südlichen Ländern, die noch auf das bismarcksche Modell bauten.

 

 

Außerdem seien die Einkommen in diesen Staaten nicht unbedingt gerechter verteilt als in den anderen. Je mehr die Menschen privat für den Ruhestand beiseitelegten, desto länger blieben sie ebenso im Job. "Sobald sie selbst vorsorgen, sind sie - wenn auch mit Murren - bereit, länger zu arbeiten", erklärt Börsch-Supan, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats im Bundeswirtschaftsministerium. Für Deutsche sei das noch recht abstrakt. "Doch an diesem Punkt könnte man sich viele politische Diskussionen sparen."

Daten für die Untersuchung lieferte eine Umfrage unter 27 000 Menschen ab 50 Jahren in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland, Dänemark, Schweden und den Niederlanden.

Bisher habe der demografische Wandel noch in keinem der untersuchten Länder dazu geführt, dass Jüngere weniger Geld vom Staat bekamen, ermittelt das DIA, ein Institut der Deutschen Bank. Was nicht ist, kann in 15 Jahren aber noch werden - wenn ab 2010 die Bevölkerung spürbarer als bisher altert. Kommt es dann zum Kampf der Generationen? "Man kann davon ausgehen, dass eine wachsende Zahl älterer Wähler künftig mehr Druck auf die Politik ausüben wird", erwartet DIA-Sprecher Bernd Katzenstein.

Die staatliche Rente ist in den untersuchten Ländern noch immer Haupteinnahmequelle für Senioren. Außer in den Niederlanden macht sie der Studie zufolge mindestens knapp drei Viertel des Alterseinkommens aus. Mit 94,9 Prozent ist der Anteil der gesetzlichen Rente am Rentnereinkommen in Spanien am höchsten. Bei der privaten Vorsorge liegen deutsche Rentner im europäischen Mittelfeld.

Artikel erschienen am 23.09.2006

Erschienen in “DerWelt.de”

 

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 “Zuletzt geändert am Sonntag, 31. Juli 2011”

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